Im Mittelpunkt der Tagung standen drei Schwerpunkte:
Beobachtung und Dokumentation von frühen Bildungsprozessen in der Eltern-Kind-Gruppe
Dazu stellte Maria Tepper, Zentrum Familie im Haus der Volksarbeit Frankfurt, die Einführung einer Beobachtungsphase in das Konzept der Eltern-Kind-Gruppenarbeit vor. Ausgehend von dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan wird damit der Blick in der Eltern-Kind-Arbeit mehr auf das Kind gelenkt und die ganzheitliche Begleitung der einzelnen Kinder als früher kindlicher Bildungsprozess verstanden.
Die sensible Wahrnehmung von kindlichen Entwicklungsprozessen ist notwendige Voraussetzung für eine partnerschaftliche Begleitung durch die Eltern und die pädagogischen Fachkräfte.
Neben der Familie ist die Familienbildungsstätte häufig der erste institutionelle Bildungsort für Kinder. Eltern und Kinder erleben Bildungsprozesse hier gemeinsam, und das ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal, denn in allen folgenden Bildungsorten steht die Information der Eltern über ihre Kinder im Mittelpunkt.
Nachweis der primärpräventiven Wirksamkeit von Eltern-Kind-Gruppenarbeit
Im Jahr 2004 wurde von Prof. Friedrich Lösel im Auftrag des BMFSFJ eine bundesweite schriftliche Befragung von Einrichtungen, die Familienbildung anbieten, durchgeführt. Sie hat die mangelnden systematischen Wirkungsevaluationen vor allem in Bereich der Eltern-Kind-Gruppenarbeit deutlich gemacht. Angelika Tuschhoff, Bildungsreferentin der BAG rief dazu auf, kleinere Untersuchungen mit einem suboptimalen Design zu initiieren, die in Kooperation mit regionalen Hochschulen durchgeführt werden könnten.
Zur Vorbereitung von kleineren Untersuchungen oder Diplomarbeiten sollten die Familienbildungseinrichtungen ihr Konzept für die Eltern-Kind-Arbeit verschriftlichen und ein Kursmanual entwickeln, in dem konkrete Zielsetzungen für Eltern und Kinder und Anforderungen an die Gruppenleiterinnen benannt sind.
Die Formulierung von Zielen, Teilzielen und evaluierbaren Indikatoren ist eine wesentliche Voraussetzung für die Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Erhebungen, die die Wirksamkeit von Eltern-Kind-Gruppen nachweisen.
Bindung und Bildung in den ersten drei Lebensjahren
Um den Zusammenhang von Bindung und Bildung ging es in einem hervorragenden Fachvortrag von Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind. Er machte deutlich, dass Bildung spätestens mit der Geburt beginnt und ein ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen ist.
Wer Bildung will, muss sich auf Bindungen einlassen können.
Sicherheit in Bindungsbeziehungen führt zu psychischer Sicherheit beim Umgang mit sich selbst und mit der kulturellen Welt des Wissens. Damit ist die Qualität des Miteinanders der Schlüssel zur Teilhabe an Lernprozessen.
In sicheren und vertrauten Situationen wollen Kinder Neues erkunden und reagieren auf ihre Umwelt vor allem mit Interesse und Neugier.
Bildung in Eltern-Kind-Gruppen ermöglichen heißt dann, in einem Umfeld sicherer Bindungen die Themen des Kindes aufzugreifen und Gelegenheiten (Spielzeug, Räume, persönliche und dingliche Umwelt) für Selbstbildungsprozesse zu schaffen.
Auch Dr. Jörg Maywald kann sich eine gezielte Beobachtungsphase in der Eltern-Kind-Gruppe gut vorstellen. Er führte aus:
Beobachten ist gezieltes Beachten des Kindes. Kinder sollen diese Beachtung spüren.Dokumentation ist Wertschätzung der kindlichen Tätigkeiten.Dokumentationen sind Grundlagen für einen intensiven Dialog.Die Einführung einer gezielten Beobachtungsphase und ihre Dokumentation in das Konzept der Eltern-Kind-Gruppen wird sicher in den Einrichtungen der Familienbildung noch intensiv zu diskutieren sein. Dadurch wird der Blick verstärkt auf die Bildungsprozesse von Kindern in der Eltern-Kind-Gruppe gerichtet, während die Eltern in partnerschaftlicher Weise angeleitet werden, ihre Beobachtungskompetenzen zu erweitern.