Mit den inhaltlichen Ressourcen, den Potentialen und Entwicklungsperspektiven von Einrichtungen der Familienbildung als familienunterstützende Dienstleistung setzten sich die Leitungskräfte der Kath. Familienbildungseinrichtungen bei ihrer Jahrestagung 2009 am 26. und 27. Mai in Mainz auseinander.
Zunächst zeigte Alexa Ahmad, die Geschäftsführerin des pme Familienservice Berlin auf, wie immer mehr Wirtschaftsunternehmen ihre MitarbeiterInnen bei der Organisation zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance unterstützen. Sie bieten über den Familienservice zahlreiche passgenaue Dienstleistungen für das private Umfeld an. (von einer differenzierten Kinderbetreuung über haushaltsnahe Dienstleistungen bis hin zu „Eldercare“).
Der Nutzen für die Arbeitgeber besteht u.a. in der Bindung der MitarbeiterInnen, in niedrigen Fehlzeiten, in der Reduktion der Wiederbeschaffungskosten und einer leichteren Personalgewinnung.
In einem sehr lebendigen Vortrag beschrieb dann Prof`in Dr. Uta Meier-Gräwe, Universität Gießen familieunterstützende Dienstleistungen als Folge des Strukturwandels von Familie und Kindheit. Es gelang ihr hervorragend, die soziologischen und volkswirtschaftlichen Aspekte in den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang zu stellen.
„Während in der Industriegesellschaft die produktive Facharbeit von Handwerk und Industrie im Fokus stand, stellt das Humanvermögen der Wissensgesellschaft eine Kombination aus Infrastruktur, Qualitätssicherung, Bildungs- und Gesundheitsakkumulation dar“, so Prof`in Uta Meier-Gräwe. Es ist unbedingt erforderlich, den großen Nachholbedarf bei der Schaffung einer vitalen, qualitativ hochwertigen sozialen Dienstleistungsinfrastruktur in den Bereichen Familienservice, Kinderbetreuung, aber auch Altenpflege und Privathaushalt klar zu benennen.
Die fortschreitende Entmischung sozialer Strukturen ist für die Entwicklung von familienunterstützenden Dienstleistungen eine besondere Herausforderung und setzt eine genaue Kenntnis der örtlichen Familiensituationen voraus. Hier sind die kath. Einrichtungen der Familienbildung gut aufgestellt, da sie spezifische Kenntnisse über ihren jeweiligen Sozialraum haben und Netzwerkerinnen mit hoher Schnittstellenkompetenz sind.
Besonders im Kontext der frühen Hilfen und der öffentlichen Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern sieht Prof`in Uta Meier-Gräwe eine hohe Bedeutung der Familienbildung.
„Frühe Förderung unter Einschluss einer gesundheitlichen Förderung von Kindern aus benachteiligten Herkunftsfamilien wirkt sich positiv auf deren Gesundheit und ihre Bildungsbiographien aus. Solche frühkindlichen Investitionen erzeugen aber auch ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis für Städte, Landkreise und die Gesellschaft insgesamt“ führte sie aus und ermutigte die Leitungskräfte, weiter an der Entwicklung von kommunalen Präventionsnetzwerken mitzuarbeiten und dazu beizutragen, Nachhaltigkeitsprinzipien an den Lernorten von Kindern und Familien zu verankern.
Eine moderne Familienbildung zeichnet sich für sie durch folgende Merkmale aus:
- Alltagsnähe und ganzheitliches Herangehen
- Generationenübergreifendes Arbeiten
- Lebensweltorientierung
- Genderbewußtsein
- Vernetzung, Kooperation, Professionalität
Als hemmende Faktoren für eine Familienbildung, die sich mehr und mehr als familienunterstützende Dienstleistung versteht, wurden vor allem die Finanzstrukturen und die zunehmende Projektfinanzierung genannt, die häufig eher „Leuchtturmprojekte“ als Nachhaltigkeit befördert. Eine besondere Herausforderung sehen die Einrichtungen der Familienbildung in der Qualifizierung des haupt- und nebenamtlichen Personals zu „Milieuscouts“: in Zukunft ist ein hohes Maß an Sensibilität für die Wahrnehmungsmuster der verschiedenen familiären Lebenswelten grundlegend sowie die Fähigkeit, mit lebensweltlichen und kulturellen Differenzen umzugehen.